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Was ist zu tun?
Ein Bestattungsunternehmer berichtet

Ich habe durch meinen Beruf immer wieder Kontakt zu Hospizvereinen. Die Mitarbeiter, die einen Sterbenden begleiten, haben genau wie ich auch mit dem Ende, dem Unausweichlichen, dem Tod zu tun. Dennoch, meine Tätigkeit beginnt dort, wo die Aufgaben des Hospizes enden. Ich habe den Sterbenden nicht begleitet - ich versuche die Angehörigen zu begleiten. Im Hospiz endet ein Prozeß des Aushaltens, oft genug verbunden mit Schmerz und Trauer. Ein Prozeß des Festhaltens, in dem neben der körperlichen Pflegearbeit die seelsorgerische Betreuung des Sterbenden und seiner Angehörigen unendlich wichtig ist. Es kommt häufig vor, daß Hinterbliebene auch bei mir Trost suchen. Ich muß aber zugeben, daß ein Großteil dessen, was wir miteinander besprechen, Daten, Fakten und Termine sind. Nachdem ich um einen Artikel gebeten wurde und CHV aktuell vom Mai 2001 gelesen hatte, war ich deshalb auch nicht sicher, ob ich der Leserschaft einer Vereinigung, die den Tod ganz bewußt und emotional an sich heranläßt, mit fachlichen Hinweisen, mit Kosten und Gesetzgebungen gerecht werden kann. Ich weiß, daß viele Angehörige nach dem Ableben eines Familienmitglieds vor einem großen Fragezeichen stehen und nicht recht wissen, was nun wie zu tun ist, welche Möglichkeiten der Bestattung es gibt, was im einzelnen zu entscheiden und zu regeln ist. Ich werde also versuchen, in kurzer und übersichtlicher Form den „normalen“ Hergang nach einem Todesfall zu skizzieren.

Todeseintritt
Den Tod muß immer ein Arzt bestätigen. In einem Krankenhaus geschieht dies automatisch. Beim Tod zu Hause muß ein niedergelassener Arzt vom Ableben verständigt werden. Der Verstorbene wird untersucht und die „Todesbescheinigung“ wird ausgestellt.

Abholung
Die Angehörigen beauftragen ein Bestattungsunternehmen ihrer Wahl mit der Abholung des Leichnams entweder aus dem Krankenhaus oder von daheim. Der Verstorbene wird in den nächsten Friedhof gebracht.

Verabschiedung
Leider wird es viel zu wenig in Anspruch genommen, und darum möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen: Die Angehörigen dürfen und sollen sich viel Zeit nehmen, um sich vom Verstorbenen zu verabschieden, entweder zu Hause oder in der Aufbahrungshalle des Friedhofs. Jedes Bestattungsunternehmen, das sich in den Fachverband Deutscher Bestatter eingliedert, verfügt über geschulte Mitarbeiter, die den Verstorbenen säubern und einkleiden, sofern dies die Angehörigen nicht selbst machen möchten. Er kann im eigenen Bett oder in einen Sarg gebettet werden. Sollte die Entscheidung für einen bestimmten Sarg zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefallen sein, wird ihnen ein sogenannter „Leihsarg“ zur Verfügung gestellt.

Überführung
Wenn der Verstorbene in einen auswärtigen Friedhof gebracht werden soll (weil dort z. B. ein Familiengrab existiert oder er selbst Besitzer eines Grabes dort ist), so wird der Leichnam in einem speziell ausgestatteten Fahrzeug dorthin „überführt“.

Das Beratungsgespräch beim Bestatter
Das Bestattungsinstitut erledigt alle Formalitäten und besorgt alle Dokumente, die für die Bestattung notwendig sind. Wird der Beistand eines Pfarrers, einer Pfarrerin oder eines Trauerredners gewünscht, werden auch hier alle Termine koordiniert. Im Beratungsgespräch werden die individuellen Wünsche der Angehörigen in Bezug auf Sarg, Ausstattung des Sarges, Einkleidung des Leichnams, Aufbahrung, persönliche Verabschiedung am Sarg und Blumenschmuck geklärt. Aber auch Fragen nach der musikalischen Umrahmung, nach Traueranzeige und -karten, Sterbebildern bis hin zum Trauermahl werden besprochen.
An der Auswahl für einen individuellen Sarg mangelt es nicht. Vom einfachen Fichtensarg über den verzierten Kiefernsarg bis hin zur schweren Eichentruhe ist alles zu haben. Das bayrische Bestattungsgesetz und die Durchführungsverordnungen bestimmen allerdings, daß jeder Sarg ein Vollholzsarg sein muß (furnierte „Preßspannbehältnisse“ sind also nicht erlaubt). Außerdem dürfen nur Materialien (Leim oder Farbstoffe) verarbeitet sein, die den Umweltbestimmungen entsprechen. Insoweit ist also jeder Sarg, der in Bayern eingesetzt wird, ein Öko-Sarg. Dies hat seine Begründung in der Verrottung (bei Erdbestattungen) und der Verbrennung (bei der Feuerbestattung). Bei beiden Prozessen werden, wenn man sich nicht an diese Verordnung hält, Schadstoffe frei, die entweder ins Erdreich sickern und Boden und Wasserhaushalt verunreinigen oder die Luft verschmutzen.

Ausstattung
Darunter versteht man die Auspolsterung des Sarges mit Naturmaterialien, um das Durchsickern von Körperflüssigkeit zu vermeiden, das Ausschlagen mit einem Leintuch und die Wäsche (Kopfkissen und Decke).

Bekleidung des Verstorbenen
Der Verstorbene darf ganz persönlich eingekleidet sein. Manch einer hat schon vorab den Wunsch geäußert, im Sonntags- oder Trachtenanzug oder im besonderen Kleid bestattet zu werden. Beim Bestatter steht aber auch eine Auswahl an sogenannter Sterbekleidung zur Verfügung. Grundsätzlich gilt: Alle Materialien, die schwer verrottbar sind oder Schadstoffe bei der Verbrennung freisetzen (z. B. Leder, Kunststoff, Metall), sind nicht zulässig. Das trifft viele Angehörige beim Schuhwerk besonders: im Trachtenanzug oder im schönen Kleid - aber ohne Schuhe? Ich rate in diesen Fällen zu Woll- oder Baumwollstrümpfen.

Bestattung
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Erd- und Feuerbestattung. Die Entscheidung, welche Art der Bestattung zu wählen ist, haben die Angehörigen zu treffen, es sei denn, was heutzutage immer häufiger vorkommt, der Verstorbene selbst hat sich zu Lebzeiten für eine Erd- oder Feuerbestattung entschieden und dies vielleicht auch schon durch eine vorsorgliche Bestattungsverfügung geregelt.

Grundlegende Unterscheidungen zwischen den beiden Bestattungsarten

Erdbestattung:
Der Sarg mit dem Verstorbenen wird nach der Aufbahrung im Friedhof, nach einer Trauerfeier oder einem Trauergottesdienst in Anwesenheit der Angehörigen der Erde übergeben. Dieses Grab ist entweder schon in seinem Besitz gewesen (Familiengrab) oder muß von den Angehörigen erworben werden. Die Ruhezeiten betragen zwischen sieben (München) und z. T. 15 Jahre und länger. Danach kann man das Grab „nachkaufen“, also für eine weitere Ruhezeit behalten, oder es wird „aufgelassen“. In diesem Fall kann es jeder andere erwerben.

Feuerbestattung:
Nach der Aufbahrung auf dem Friedhof kann eine Trauerfeier oder ein Trauergottesdienst mit den Angehörigen stattfinden. Im Anschluß daran wird der Sarg mit dem Verstorbenen vom Bestattungsinstitut in einem Spezialfahrzeug in ein Krematorium gebracht und dort verbrannt. Dies geschieht immer unter Ausschluß der Hinterbliebenen. Die Urne mit der Asche des Verstorbenen wird über das Beerdigungsinstitut an den Friedhof verbracht, wo sie bestattet werden soll. Dies geschieht in der Regel auf sehr würdige Weise mit einem Beerdigungsfahrzeug. Nur bei weiteren Entfernungen wird aus Kostengründen auf den Postversand zurückgegriffen. Wenn vor der Kremation (Verbrennung) des Verstorbenen keine Trauerfeier stattfand, können die Angehörigen diese bei der Urnenbestattung nachholen. Eine Urne kann in einem Erdgrab, in einer Urnen(Mauer-)nische oder aber in einem anonymen Gräberfeld bestattet werden. Menschen, die sich dem Meer verbunden fühlten, können ihre Urne auch in der Nord- oder Ostsee versenken lassen (Seebestattung).

Grundsätzlich gilt: Die Entscheidung, ob Erd- oder Feuerbestattung, ist vorrangig keine finanzielle. Der pekuniäre Unterschied ist gering. Lediglich die Fragen nach Grabkauf, Grabpflege oder Grabdenkmal (vielleicht sind keine Angehörigen da, die das Grab pflegen können) sollten ausschlaggebend sein.

Ich habe aus Platzgründen hier nur die wichtigsten Themen kurz anreißen können. Natürlich sind das keineswegs alle Antworten auf Fragen zu einer Bestattung. Da ich um die Hilflosigkeit vieler Angehöriger weiß, habe ich schon vor vielen Jahren begonnen, Informationsmaterial über das Thema Tod und Bestattung zu erstellen. In vielen Broschüren und Prospekten, die in der Geschäftsstelle ausliegen, können Sie alles nachlesen.

Karl F. Denk
Geschäftsführer Trauerhilfe Denk

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