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Die Geschichte des Christophorus Hospiz Vereins (CHV)


Die Geschichte des Christophorus Hospiz Vereins geht bis auf die Anfänge der modernen Hospizbewegung in England zurück. St. Christopher’s in London wurde 1967 als erstes modernes Hospiz eröffnet. Cicely Saunders, eine englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin, hatte erkannt, dass die Sterbenden in den Krankenhäusern vernachlässigt wurden. 20 Jahre später wurde am 5. Juni 1985 der Christophorus Hospiz Verein in München mit 50 Mitgliedern als einer der ersten Hospizvereine Deutschlands gegründet. Die Gründer verfolgten die Idee, ein Haus nach dem Vorbild von St. Christopher’s zu errichten.

Zusammen mit dem Jesuitenpater und Konzilstheologen Karl Rahner wurde Cicely Saunders 1969 die Ehrendoktorwürde der Yale Universität verliehen. Rahner bat seinen Mitbruder Pater Reinhold Iblacker, ihn als Übersetzer zu begleiten. Iblacker, der in den USA Kommunikationswissenschaft und Dokumentarfilmtheorie studiert hatte, folgte daraufhin einer Einladung von Saunders nach London und erhielt 1971 die Erlaubnis eines schwerstkranken Menschen und seiner Angehörigen, den Prozess des Sterbens im St. Christopher’s zu filmen. Dabei entstanden die Filme „Noch 16 Tage“ und „Die letzte Station“, die beide bei der Ausstrahlung in ZDF und ARD für hohe Einschaltquoten und großes Aufsehen sorgten. Iblacker gelang es damit, interessierte und engagierte Menschen für das Hospizthema zu begeistern. Zu diesem Kreis gehörten später u.a. Claudia Bausewein (heute: Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, Klinikum der Universität München), Raymond Voltz (heute: Palliativmediziner und Professor in Köln), Elisabeth Albrecht (später: Palliativmedizinerin in Regensburg), deren Tante, die engagierte Münchener Lehrerin Ruth Albrecht, die Ärztin und Therapeutin Dr. Gustava Everding (später 1. Vorsitzende des CHV), Dr. Sieglinde Schmidt (Chefärztin im Krankenhaus Neuwittelsbach München, später 1. Vorsitzende des CHV), Prof. Dr. Wolfgang Schreml (später Chefarzt im Kreiskrankenhaus Günzburg/Donau), Dr. Thomas Schlunck (später Palliativmediziner in Tübingen), die Pädagogin Christel Orth, sowie Dr. Gerburg Vogt, Pallottinerin und Mitarbeiterin an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten.

Diese Engagierten verband das gemeinsame Anliegen, ein (Finanzierungs-)Konzept für den Aufbau hospizlicher Versorgung in München zu entwickeln. Im Herbst 1986 erreichte Pater Reinhold Iblacker eine Satzungs- und Richtungsänderung im ein Jahr zuvor gegründeten CHV. Damit wurde der Zweck des Vereins, „die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen in zugewandter Weise unter Beachtung ihrer individuellen Bedürfnisse und ihrer Würde zu verwirklichen und zu fördern“, in Paragraph 1 der Satzung verankert. Gleichzeitig wurde das gleichberechtigte Zusammenwirken von Fachpersonal, Laien und Betroffenen sowie der Einsatz von Ehrenamtlichen festgelegt. 1987 entwickelte der CHV erste Schulungskonzepte für ehrenamtliche Hospizhelfer*innen. Iblacker ermutigte Pflegekräfte und Sozialarbeiter*innen, in britischen und US-amerikanischen Hospizen zu hospitieren und möglichst dort zu lernen, wo bereits Erfahrung existierte. So ging Christel Orth 1987 für neun Monate ins Connecticut-Hospice, das Lehrhospiz der USA. Die ersten Palliativschwestern – Brigitte Hirsch und Roswitha Ebersberger – bildeten sich im MacMillan Nursing Service in Inverness (Schottland) weiter. Sepp Raischl besuchte eine Schulung in Cambridge.

Pater Reinhold Iblacker übernahm im November 1986 den Vorsitz des Christophorus Hospiz Vereins und widmete sich in seinen letzten Lebensjahren (+1996) fast ausschließlich der Hospizbewegung. Für sein Engagement erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande - ebenso wie Dr. Gustava Everding, die von 1991 bis 2000  Vorsitzende des Vereins war und 2014 zur Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Sie prägte die Entwicklung der Hospizbewegung München-, Bayern- und bundesweit. Unter ihrer Führung war der CHV an Überlegungen zu und Planungen für die erste Palliativstation in Bayern am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München-Nymphenburg (1991) beteiligt und später intensiv am Aufbau der Palliativstation im Städtischen Klinikum München-Harlaching (1997), zunächst Christophorus Hospiz genannt. 1991 schuf der CHV neben der ambulanten Hospizarbeit auch erste Angebote von palliativer Beratung im Stadtgebiet München. Auch an der Gründung des ersten Deutschen Dachverbands 1994, der BAG Hospiz (heute Deutscher Hospiz und Palliativverband), war der CHV maßgeblich beteiligt: Frau Dr. Everding war 2. Vorsitzende der BAG.

In den 1990er Jahren erschienen erste Broschüren des CHV zu Schmerztherapie und Symptomkontrolle sowie zur Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Im Jahr 1999 wurde eine Arbeitsgruppe am Bayerischen Justizministerium für eine Vorsorgebroschüre initiiert. 1999 gründete der CHV außerdem eine der ersten Weiterbildungseinrichtungen für Palliativmedizin, -pflege und Hospizarbeit, die Christophorus Akademie. Mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe, des bayerischen Sozialministeriums und der Ludwig-Maximilians-Universität wurde sie 2004 in das Interdisziplinäre Zentrum für Palliativmedizin (IZP), jetzt Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am Klinikum der Universität München-Großhadern, überführt.

Ein stationäres Hospiz entstand 2001 mit zunächst sechs Betten in enger Zusammenarbeit mit der Münchner Aids-Hilfe in der Lindwurmstraße. Im Jahr 2005 zog der CHV ins Christophorus-Haus in München-Bogenhausen, wo auch das erweiterte stationäre Christophorus Hospiz mit 16 Betten seinen Platz fand, und seitdem vom CHV allein betrieben wird.
Menschen das Sterben an dem Ort zu ermöglichen, an dem sie leben, war und ist eines der wichtigsten Anliegen des Christophorus Hospiz Vereins. Für viele, insbesondere alte, Menschen ist der letzte Lebensort das Alten- oder Pflegeheim. So wurde 2004 der Palliativ-Geriatrische Dienst des CHV ins Leben gerufen, der Bewohner, Angehörige, Mitarbeiter und Ärzte in Pflegeheimen berät und unterstützt.Um die ambulante und stationäre Hospiz- und Palliativversorgung des Christophorus Hospiz Vereins für schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige langfristig zu sichern und die Hospizbewegung in München zu unterstützen, wurde 2006 die gemeinnützige und mildtätige Christophorus Hospiz Stiftung errichtet.

Weiterhin konnten die ambulanten Dienste und Angebote für die Münchener Bürgerinnen und Bürger ausgebaut werden: Da seit 2007 ein gesetzlicher Anspruch auf die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) geschaffen wurde, wurde im ersten Schritt eine sog „Integrierte Palliativversorgung“ für AOK-Patienten begonnen. 2009 konnte der CHV dann mit einem eigenen, multiprofessionellen SAPV-Team starten und somit zum ersten Mal auch Ärzte anstellen. 2013 wurde ein Hospiz- und Palliativdienst für Menschen mit Behinderung initiiert, der Hilfe und Unterstützung anbietet, damit auch Menschen mit Behinderung bis zuletzt in ihrer vertrauten Umgebung selbstbestimmt leben können.

Die Sorge für und die Versorgung von Menschen am Ende des Lebens ist nicht nur eine Aufgabe für Fachpersonal und geschulte Helfer*innen, sondern eine Frage für jedermann und jederfrau. Deshalb gründete der CHV im Mai 2017 das Christophorus Hospiz Institut für Bildung und Begegnung (IBB), das mit seinen Angeboten die breite Bevölkerung generationenübergreifend und in ihren jeweiligen Lebenswelten anspricht.

2018 hat die Mitgliederversammlung des CHV für eine Satzungsänderung gestimmt, um die Struktur des Vereins den gewachsenen Anforderungen anzupassen. So wurde im April 2019 zum ersten Mal ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat mit Frau Renate Salzmann-Zöbeley als Vorsitzender gewählt. Der Aufsichtsrat hat im Anschluss erstmals hauptamtliche Vorstände berufen: Leonhard Wagner als Vorsitzenden und Sepp Raischl als weiteres Vorstandsmitglied.

Aus bescheidenen Anfängen, viel Engagement und Mit- und Zusammenarbeit auf haupt- und ehrenamtlicher Basis, Mitteln zahlreicher Förderer sowie Beteiligung in Gremien und Politik entwickelte sich mit dem Christophorus Hospiz Verein aus der deutschlandweit ersten Initiative dieser Art einer der renommiertesten und mitgliederstärksten Hospizvereine. Er arbeitet sowohl auf regionaler, wie auf Landes- und Bundesebene intensiv vernetzt und ist heute ein wichtiger Akteur der Hospiz- und Palliativversorgung weit über München hinaus.

Informationsmaterial

Details / Download

Vorstellung des CHV in der Broschüre "Für ein würdevolles Leben bis zuletzt"

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Kontakt CHV

Christophorus Hospiz Verein e.V.
Effnerstraße 93
81925 München
Tel.: 089 / 13 07 87 - 0
Fax: 089 / 13 07 87 - 13

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